Plattform-Ökonomie ist in aller Munde. Spätestens seit dem leidigen EPD Thema vom Bund. Oder ist es jetzt mehr als angesammelte PDF`s? Plattformen im Gesundheitswesen sind eines der grossen nationalen Digital Health Trends. Meist in Form einer App im Sinne des mobile-first Gedanken.

Wie die aktuelle CSS/ Sotomo Gesundheitsstudie 2021 aufzeigt, wird das elektronische Patientendossier zu 76%, das elektronische Rezept zu 72% von der Bevölkerung unterstützt. Auch der Switch von der aktuellen Versorgung hin zu digitalen Betreuung mit der systematischen Auswertung von Gesundheitsdaten werden von 52% bzw. 45% der Befragten (eher) unterstützt. Andrea Belliger verweist dabei an den E-Health-Forscher Dr. Alexander Schachinger. Einer jährlichen repräsentativen Befragung unter 3000 Bürgern, beschleunigen vor allem die jüngeren, urbanen Versicherten den Trend, dem andere bald nachfolgen werden. Ambulanten Leistungserbringern sowie Apotheken entgehen damit zunehmend Umsätze, die stattdessen Plattform-Anbieter gewinnen. 

Interessanter Artikel dazu: https://digitales-gesundheitswesen.de/wir-muessen-draussen-bleiben/

Hier geht um Well. Und um Compassana. Gerne hätte ich diese bereits auf Usability und Funktion getestet und verglichen. Ein direkter Vergleich ist jedoch noch nicht machbar, da ich Compassana nur im Beta Stadium als Test-User kennenlernen durfte. Well dagegen ist bereits als vollwertige App am Start.

Well ist ein Partnernetzwerk von CSS, visana, zur Rose, medi24 und Allianz Care. Centramed und Monvia sowie Onlinedoctor sind dazu gestossen. Das letztgenannte Unternehmen hat laut Medienmitteilung von letzter Woche eine Akquisition der Dermatologie A.S.S.I.S.T vorgenommen. Eine KI Anwendung die wohl schon in naher Zukunft in einer mobile Anwendung Platz finden wird.

Im App Store begrüsst mich die Anwendung mit einem freundlichen türkis-dunkelblau-weissem Erscheinungsbild. Die Vorschaubilder zeigen eine aufgeräumt übersichtliche App. Nach dem Download kann ich mich erfreulicherweise mit tiefer Hürde und der Angabe meiner Gesundheitsversicherung anmelden. Fertig. Beipackzettel per Barcode in der App hinzufügen, medizinisches Lexikon, ärztliche Beratung per Chat und Symptomchecker stehen schnell und unkompliziert zur Verfügung. Fazit: Diese App ist für mich absolut so, wie ich mir solch ein Produkt vorgestellt habe und ein finales Produkt, die das Beta Stadium verlassen hat.

Physiotherapeutische Konsequenz: Unklar. Bis jetzt gibt es keine Angebote im Therapiebereich. Jedoch kann es durchaus sein, dass durch die CSS-Entwicklungen der Therapeut:in direkt übersprungen wird und ein Avatar Angebot entstehen wird? Man erinnere sich an diesen Artikel von 2018: https://www.srf.ch/wissen/gesundheit/kostenstreit-um-physiotherapie-billigere-kniebeugen-mit-avatar-statt-therapeut

Compassana, ein Unternehmen von Medbase, Hirslanden, Groupe Mutuel, Helsana und SWICA

Ist noch nicht veröffentlicht, entsprechend ist die finale Version noch nicht verfügbar. Peter Mittemeyer, CEO der Bluespace Ventures AG lässt sich so zitieren: «Compassana wird nebst digitalen Basisservices wie Symptom Checks, Terminvereinbarungen oder telemedizinische Konsultationen weit mehr bieten. So werden künftig digital unterstützte und medizinisch optimierte Behandlungspfade für typische Krankheitsbilder möglich. Die Zusammenarbeit von medizinischen Leistungserbringern und Krankenversicherungen eröffnet ganz neue Herangehensweisen an die medizinische Versorgung und deren Finanzierung». Auch hier bleibt es spannend, da Mittemeyer doch in Vergangenheit Board Member von OnlineDoctor sowie Head of Strategy and Corporate Services bei CSS entsprechend Erfahrungen gesammelt hat. 

Merkwürdig erscheint mir jedoch die Erreichbarkeit von Compassana. Wenn man compassana.ch mobile im Browser eintippt erscheint ein Hinweis von dem Server Anbieter Hostpoint mit dem Hinweis, dass die aktuelle PHP Version nicht mehr unterstützt wird. Ich hätte mit einer ansprechenden Landing Page inkl. Newsletter Hinweis gerechnet.

Physiotherapeutische Konsequenz: Da Medbase der grösste Arbeitgeber im ambulanten Sektor für Physiotherapeut:innen ist, ist es wahrscheinlich, das wir mit digitalen Physiotherapie-Erlebnissen/ -Angeboten/ -Pfaden rechnen dürfen. 

Es stellt sich die Frage, warum es nicht funktioniert, einen branchenweiten Standart zu setzen. Es sieht nach „proprietären“ Welten aus, die wohl zukunftsfähig sind und von einer attraktiven Nutzergruppe angenommen werden. Schön wäre es, wenn Wettbewerb und ein Open-Source Gedanke sich nicht im Wege stehen. Wir werden sehen. Die Zukunft bleibt spannend.