Das Schweizer Gesundheitswesen steht vor zahlreichen Herausforderungen, die dringend angegangen werden müssen. Teure Medikamente, hohe Tarife für bildgebdende Abklärungen und Patienten, die immer mehr zu fordernden Kunden transformieren (übrigens auch in den jungen Jahrgängen), tragen zur Erhöhung der Krankenkassenprämien bei und belasten das System. Trotz dieser Missstände ist es unwahrscheinlich, dass die beiden bevorstehenden Volksinitiativen, die unterschiedliche Lösungsansätze bieten, erfolgreich sein werden.

Die am kommenden Sonntag zur Abstimmung stehenden Initiativen zielen darauf ab, diese Belastung zu verringern. Die Mitte-Partei strebt eine Kostenbremse im Gesundheitswesen an, während die SP die Prämienlast auf maximal zehn Prozent des verfügbaren Einkommens begrenzen möchte. Aktuelle Umfragen deuten jedoch darauf hin, dass beide Initiativen wenig Erfolgsaussichten haben. Besonders die Kostenbremse-Initiative scheint auf Ablehnung zu stossen.

Bekannte Probleme

Ein bedeutender Kostenfaktor im Schweizer Gesundheitswesen sind die hohen Medikamentenpreise, insbesondere bei Generika. Ein Preisvergleich zeigt, dass Medikamente in der Schweiz deutlich teurer sind als in anderen europäischen Ländern, wobei die Pharmabranche niedrigere Preise verhindert. Auch Ärzte tragen zu den hohen Kosten bei, indem immer weniger Hausarztmedizin und immer mehr Spezialisten direkt zu Rate gezogen werden. Die heutige Überzeugung, dass jeder Knieschmerz noch zum Orthopäden muss, der zur Sicherheit noch ein MRI macht, um dann einen Positiv-Befunde feststellt und dann in die Physio überwiesen wird? Immer noch Alltag. Überzogene Ansprüche von Patienten, die umfangreiche Untersuchungen und Behandlungen erwarten, verursachen klare unnötige Kosten. Auch die strukturellen Defizite, wie die hohe Anzahl an Spitälern, verstärken das Problem der Kosten. Experten empfehlen Massnahmen wie Kostenwachstumsziele und Versorgungsnetze, doch politische Unterstützung fehlt oft aufgrund des Einflusses starker Lobbygruppen.

Und was hat das mit der Physiotherapie zu tun?

Interessant. Und auf einmal ist das Thema Physiotherapie, Anfang Jahr DER Kostentreiber im Gesundheitswesen (?) bei santésuisse und curafutura kein Thema mehr. Diese Kommunikationskeule holt man anscheinend nur heraus, wenn es um prozentuale Kostensteigerungen zum Vorjahr geht, die man plakativ für das gesamte Gesundheitswesen darstellen möchte. Eine Zeit also, wo man der Bevölkerung mit einfachen Prozentzahlen Angst macht und damit an die Medien geht, die dies natürlich ebenfalls gerne für ihre Klickraten aufnehmen. Bei der Kostenbremsen Initiative wurde jedoch aufgezeigt, wo wirklich Kosten gespart werden können. Und der Kostentreiber «Physiotherapie» ist dann doch keiner.

Die Physiotherapie steht vor komplexen Herausforderungen, die eine Vielzahl von Veränderungen (bye bye 7311) und neuen Massnahmen erfordern. Sowohl die hohe Anspruchshaltung der Patient:innen, einer zu hohen 7311-Rate und unnötiger PT-Behandlungen tragen zur aktuellen Situation mit bei. Während kurzfristige Lösungen wie die vorgeschlagenen Volksinitiativen wahrscheinlich scheitern werden, bedarf es langfristiger und nachhaltiger Reformen, um die Gesundheitskosten in den Griff zu bekommen und die Physiotherapie neu zu positionieren. Eine umfassende Reform des Systems bleibt jedoch eine ferne Vision, solange keine entschlossenen politische Massnahmen ergriffen werden.

Quellen:

  • https://www.bag.admin.ch/bag/de/home/zahlen-und-statistiken/zahlen-fakten-zu-spitaelern/kennzahlen-der-schweizer-spitaeler.html
  • https://www.tagesanzeiger.ch/aerzte-schweiz-anspruchshaltung-der-patienten-eine-katastrophe-353042819350
  • https://www.watson.ch/schweiz/gesundheit/995837807-krankenkassenpraemien-die-ansprueche-sind-teil-des-problems
  • https://www.nzz.ch/schweiz/im-moment-ist-es-im-schweizer-gesundheitswesen-wie-auf-den-deutschen-autobahnen-jeder-kann-einfach-vollgas-geben-sagt-der-gesundheitsoekonom-ld.1829542
  • https://www.nau.ch/news/stimmen-der-schweiz/daniel-koch-deshalb-explodieren-unsere-gesundheitskosten-66765632
  • https://www.medinside.ch/gesundheitskosten-kostenbremse-wirkung-yvonne-gilli-fmh-interview-20240520